1.) Lieber Kölner Dom, wieso erhieltest du vor genau 50 Jahren ungebetenen Besuch?
In der Nacht zum 2. November 1975 stiegen drei Einbrecher mit Bergsteigerausrüstung durch einen Lüftungsschacht in meine Schatzkammer ein. Sie stahlen wertvolle Monstranzen und Kreuze. Später konnten sie gefasst werden, hatten jedoch einen Teil ihrer wertvollen Beute eingeschmolzen.
2.) Wie ist dein offizieller Name und wem gehörst du?
Mein offizieller Name lautet „Hohe Domkirche zu Köln“. Ich bin eine juristische Person des öffentlichen Rechts und gehöre mir selbst. Vertreten werde ich durch das Kölner Domkapitel, das aus 16 Domherren besteht.
3.) Falls wir dich mal nicht finden – was geben wir im Navi ein?
Meine offizielle Adresse ist Domkloster 4. Zur Zeit der französischen Besetzung (1794 bis 1811) hatte ich die Hausnummer 2583½. Der Zusatz „½“ wurde bei öffentlichen Gebäuden verwendet, für die keine Steuern zu entrichten waren.
4.) Was hast du dem Drachenfels zu verdanken?
Viele Tonnen Trachyt wurden im Mittelalter aus dem dortigen, heute stillgelegten Steinbruch für meinen Bau verwendet. Außerdem wurden weitere 50 Steinsorten verbaut.
5.) Warst du immer schon so dunkel?
Meine ursprünglich helle Fassade wurde im Laufe der Zeit dunkler. Ein wesentlicher Grund dafür sind Cyanobakterien, die auf mir siedeln und Photosynthese betreiben. So wird dort Sauerstoff freigesetzt – vergleichbar mit der Sauerstoff-Produktion eines Wäldchens.
6.) Gibt es noch mehr Viecher, die auf dir leben?
Auf mir lebt eine Gesamtbiomasse von etwa 1000 Tonnen: Flechten, Moose, Mäuse, Turmfalken und andere Vögel, Zwergfledermäuse, Nachtfalter, Sträucher, kleine Bäume und Blütenpflanzen. Es gibt auch mehrere Bienenstöcke für den Honig „Domgold“, der im Domshop verkauft wird.
7.) Und einen Geißbock …
Aber der ist aus Stein! Hennes, das Maskottchen des 1. FC Köln, ist seit 1962 als Wasserspeier an meiner Ostfassade verewigt. Man entdeckt ihn über der Dombauhütte in rund 15 Metern Höhe; er ist erkennbar an den charakteristischen Hörnern.
8.) Und in deinem Inneren gibt es einen Planeten zu entdecken.
Ja, den Saturn! Friedrich Waffenschmidt (1925–2017), der Inhaber der Elektronikfachmarktkette Saturn, und seine Frau stifteten mehrere Fenster auf meiner Südseite. In einem davon findet man den Ringplaneten, wenn man durch das Hauptportal geht und dann nach rechts schaut.
9.) Was ist der Fassadenriss F?
Es ist ein Aufriss, eine 4 Meter große mittelalterliche Darstellung meiner Westfassade auf Pergament. Er war lange verschollen und wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Mit seiner Hilfe konnte ich so fertiggestellt werden, wie es im Mittelalter geplant war.
10.) Was war der gelbe Dom?
Eine gelbe Briefmarke für 5 Pfennig mit mir als Motiv, die 1948 herausgegeben werden sollte. Man entschied sich dann jedoch für einen blauen Dom, und die gelben Drucke wurden bis auf wenige Exemplare vernichtet.
11.) Und zum Schluss: Warum ist in Berlin regelmäßig dein Glockengeläut zu hören?
Für den Bonner Bundestag hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer wöchentlich einen Gottesdienst festgesetzt, zu dem meine Glocken vom Band abgespielt wurden. Dies wurde auch in Berlin beibehalten. So erklingen meine Glocken bis heute regelmäßig im Andachtsraum des Reichstagsgebäudes.
Vielen Dank, lieber Kölner Dom!
Quellen: Kremer/Günthner: „Die Ökologie des Kölner Doms“, dombauhütte.de, domradio.de, verliebtinkoeln.com, wikipedia.de
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