1.) Liebe Pilze, am 26. September ist der Europäische Pilztag. Wieso gerade dann?
Die Initiative, den Pilztag immer am vierten Samstag im September zu begehen, geht auf Karin Montag zurück, Herausgeberin der deutschen pilzkundlichen Fachzeitschrift „Der Tintling“.

2.) Wie seid ihr biologisch definiert?
Da wir weder eindeutig zu den Pfanzen noch zu den Tieren gehören, einigte man sich 1969 darauf, dass wir ein eigenes „Reich“ namens Fungi bilden.

3.) Was ist der Unterschied zwischen einem Pilz und einem Schwamm?
Das Wort Pilz, übrigens abgeleitet vom lateinischen Wort „Boletus“, gibt es im Deutschen erst seit dem 16. Jahrhundert. Zuvor wurden wir als Schwämme bezeichnet. Heute existieren beide Begriffe parallel, zum Beispiel beim Zunderschwamm oder beim süddeutschen Wort Schwammerl.

4.) Habt ihr ein paar Daten/Rekorde für uns?
– Über 200.000 Pilzarten sind bekannt. Die Forschung geht von bis zu 3,8 Millionen Pilzarten aus.
– Essbare Arten: in Deutschland rund 250 Arten.
– Teuerster Pilz: Der extrem seltene Cordyceps. Er wächst auf Insektenlarven auf dem tibetischen Plateau. Ein Kilogramm kostet bis zu 27.000 Euro.

5.) Und dann gibt es noch dieses Riesen-Ding in Oregon …
Im Malheur Nationalpark lebt das größte Lebewesen der Erde: Ein Dunkler Hallimasch, rund Quadratkilometer groß, 7,5 Tonnen schwer und mehrere tausend Jahre alt. Oben sieht man nur kleine gelbe Fruchtkörper (s. Foto), doch im Boden besteht der Riesenpilz aus einem riesigen Netzwerk aus mikroskopisch dünnen, fadenförmigen Zellen, den sog. Myzeln.

6.) Wieso können Bäume von solchen Netzwerken profitieren?
Pilze bilden Myzelgeflechte um die Baumwurzeln und versorgen sie so mit wichtigen Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff. Die Bäume wiederum ernähren die Pilze mit Kohlenstoffverbindungen, die sie durch Photosynthese herstellen. Vermutlich können Bäume so auch Nachrichten untereinander austauschen – sozusagen ein „Wood wide Web“.

7.) Was gibt es noch Bizzares in eurer Welt?
Zum Beispiel etwa 30 Pilzarten, die im Dunkeln leuchten und damit Insekten anlocken. Andere können Plastik abbauen und so vielleicht zukünftig bei der Müllbeseitigung hilfreich sein.

8.) Wieso sind Rentiere so versessen auf Fliegenpilze?
Sie kennen – und lieben! – die halluzinogene Rauschwirkung der Pilze und graben sie im Winter sogar unter dem Schnee hervor.

9.) Wieso ist Köln Welthauptstadt der Pilze?
Es geht dabei um Wetterpilze! Mit 41 Stück hat Köln, gemessen an seiner Fläche, weltweit die höchste Dichte. Der Pilzberg im Kölner Beethovenpark wurde nach dem Unterstand benannt. Unter wetterpilze.de gibt es eine Übersicht aller Wetterpilze weltweit (!).

10.) Apropos Köln: An welchem ungewöhnlichen Ort hat die Stadt Champignons gezüchtet?
Im U-Bahn-Tunnel zwischen den Haltestellen Nesselrodestraße und Niehl Sebastianstraße der Linie 16! Der Anfang der 1970er Jahre gebaute Tunnel wurde bis 1992 nicht benutzt, weil sich die Stadtbahn-Pläne geändert hatten. In der Zwischenzeit wurden im „Champignon-Tunnel“ Pilze angebaut.

11.) Und zum Schluss: Ob Rosenduft-Feuerschwamm, Voreilender Nitrathelmling oder Barbarischer Klumpfuß – manche Pilznamen klingen poetisch, andere skurril oder gar wie eine Beleidigung. Hier eine kleine Zusammenstellung:
Bauchwehkoralle, Blaugrüner Schönfleck, Brauner Afterpfifferling, Duftender Schneckling, Ehegürtel (= Wiesenchampignon), Eichen-Wirrling, Erdstern, Gemeiner Stinkschwindling, Herkules-Riesenkeule, Igelstachelbart, Judasohr, Krüppelfüßchen, Kuhmaul, Mäuseschwanz-Rübling, Puppen-Kernkeule, Rötender Wulstling, Samthäubchen, Säufernase, Wohlriechender Korkstacheling.

Vielen Dank, liebe Pilze!

Bild: Dunkler Hallimasch; Von Jerzy Opioła – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17161368
Quellen: derpilzberater.de, kosmo.at, kuriose-feiertage.de, pflanzenforschung.de, 123pilzsuche.de