Der Journalist Tobias Christ hat für eine Serie des Kölner Stadtanzeigers mal genau hingeschaut und lüftete mit Fotovergleichen und spannenden Texten „so manches Geheimnis der Stadgeschichte“. Der Emons-Verlag packte „früher und heute“ zwischen zwei Buchdeckel. Für daheim-in-riehl.de stellte Christ eine Folge aus unserem Veedel freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung. Weitere Folgen widmen sich der Radrennbahn (heute Zoo), dem Tivoli (Rheinaue), der Zoobrücke und der Mülheimer Schiffbrücke.

Links: Historisches Bild, 1909: Rodelbahn, Völkerschauen, Bierhalle – im Amerikanischen Vergnügungspark in Riehl ging die Post ab. Quelle: Sammlung Brokmeier
Unten: Aktuelles Bild: Vom Rummel ist nichts mehr zu sehen. Eine Grünfläche und viel Verkehr dominieren das Geschehen an der Zoobrücke. Quelle: Tobias Christ

Allzu viel zu lachen gab es in den 1920er Jahren eigentlich nicht, angesichts der zahlreichen wirtschaftlichen Verwerfungen, mit denen die Deutschen zu kämpfen hatten. Wahrscheinlich hatte der Amerikanische Vergnügungspark in Riehl gerade deshalb so großen Erfolg: Er bot für ein paar Stunden Abstand zu den Zumutungen des Alltags. 1921 kauften sich allein zwei Millionen Menschen eine Eintrittskarte für das Amüsierquartier zwischen Riehler Straße, Frohngasse, Neusser Glacis und Florastraße. Flora und Zoologischer Garten sorgten direkt nebenan für gepflegten Zeitvertreib, im Vergnügungspark indessen ging die Post etwas derber ab.

Los ging es schon 1908 mit einer großen Rodelbahn auf dem Grundstück der Gaststätte Hohenzollerngarten, die so großen Anklang fand, dass kurze Zeit später eine Wasserrutschbahn und eine Achterbahn mit künstlichen Felsen folgten. „Die riesige Holzkonstruktion der Achterbahn mit ihren künstlichen Felsen war auch ein optischer Höhepunkt des Geländes und der Namensgeber des Parks, da der Entwickler ein Amerikaner war“, so der Riehler Stadtteil-Historiker Joachim Brokmeier. Da die durch eine private Gesellschaft betriebene Anlage im militärischen Rayonbezirk lag, mussten alle Gebäude in Holz errichtet werden, damit diese im Verteidigungsfall schnell niedergelegt werden konnten. Die Folge waren häufige Brandschäden, 1913 etwa brannte das „Holländische Likörhaus“ ab.

Darüber hinaus standen dem Feiervolk eine Münchner Bierhalle, eine „Enzian-Hütte“, eine altkölnische Bierhalle oder das Brauhaus Dünnwald zur Verfügung. Aus heutiger Sicht äußerst zweifel- und klischeehaft waren die Völkerschauen: Chinesen posierten in einem Chinesen-Dorf vor einer „Opium-Höhle“, Afrikaner in einem „Kongo-Kamerun-Neger-Dorf“ und Kleinwüchsige in einer „Zwergstadt“. Solche Menschen-Ausstellungen nennt Joachim Brokmeier makaber – aber sie seien dem Zeitgeist und der Neugierde der Besucher entsprungen, die noch keinen Zugang zur weiten Welt durch Internet oder Fernsehen hatten.

Die Party endete 1914 jäh mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Sämtliche Vergnügungsveranstaltungen wurden eingestellt und der Park als Kaserne genutzt. Doch ab 1918 ging es weiter. Aus dem Amerikanischen Vergnügungspark wurde der Luna-Park. Ein Musikpavillon gab es ebenso wie ein Spiegelkabinett, einen Tanzpalast und Kino-Vorführungen, die Tiere oder Modeschauen. „Es fanden aber auch andere Veranstaltungen dort statt, wie zum Beispiel Boxkämpfe mit Max Schmeling, Sechsstundenschwimmen auf dem See der Wildwasserrutsche, Damen-Boxkämpfe oder auch Kaninchenausstellungen“, so Joachim Brokmeier. Während der Zeit der galoppierenden Inflation habe der Park eigenes Notgeld ausgegeben und als Zugeständnis an die englischen Besatzungskräfte die Preise in Englisch ausgeschildert.

1927 wird in einer Anzeige im „Kölner Stadt-Anzeiger“ noch einmal eine „Original-Araber-Völkerschau“ mit Kaffeeröster, Bauchtänzern oder „Feuerfressern“ in einem „Araber-Dorf“ in orientalischem Stil angepriesen. Kurze Zeit später ist es vorbei mit dem Riesenrummel. Die englischen Besatzer verlassen Köln und nehmen eine Menge Kaufkraft mit. Auch die brandgefährlichen Holzbauten stellen eine Gefahr dar, die Stadt will zudem den Inneren Grüngürtel bis zum Rhein ausbauen. Arbeitslose reißen Ende 1927 die Attraktion nieder. Geblieben ist eine Grünfläche, die von Amsterdamer Straße, Riehler Straße, Zoobrücke und viel Verkehr gerahmt wird. Nicht besonders spaßverdächtig.

111 mal Köln früher und heute, gebunden, ca. 232 Seiten
Emons-Verlag, ISBN 978-3-7408-1823-4, 30,00 €.

A. Krick