Das Gelände an der Boltensternstraße zwischen der Pionierstraße und der Hittorfstraße blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1889 hieß die Straße noch „Mülheimer Haide“ und wurde erst am 8.2.1892 in Boltensternstraße umbenannt – im Andenken an den Major Boltenstern, der 1814 im Befreiungskrieg einen Angriff auf die französischen Truppen startete und bei seinem Rückzug ums Leben kam.

Fa. Ostermann Propeller (Quelle: Brokmeier)

Fa. Ostermann Propeller

1889 gründete der Formermeister Gustav Ostermann die Firma Ostermann & Flüs auf dem Gelände Boltensternstraße 47-51/59. Auf dem 24 000 qm umfassenden Gelände wurden eine Kupferhochofenanlage, eine Metallhütte und eine Raffinerieanlage errichtet. Die Firma stellte anfänglich Lagerschalen für das Eisenbahnwerk in Nippes her. Neben den vielen Produkten der Metallverarbeitung spezialisierte sich die Firma auf die Herstellung von Wellenanlagen und Schiffspropellern mit einem Gewicht von bis zu 20 t im Schleudergussverfahren.

Da das Werksgelände tiefer lag, war es durch das Hochwasser zum Jahreswechsel 1919/1920 betroffen.

Fa. Ostermann bei Hochwasser

Fa. Ostermann bei Hochwasser (Quelle: Brokmeier)

1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Um die Mitarbeiter zu entlohnen, druckte auch diese Firma in der Inflation 1923 Geldscheine in Millionenhöhe.

Fa. Ostermann Notgeld

Fa. Ostermann Notgeld (Quelle: Brokmeier)

1924 wurde eine Straße zwischen der Pionierstraße und der Hittorfstraße durch das Werksgelände geplant. Sie sollte „Pappelstraße“ heißen. Die Straße wurde nie gebaut, aber tatsächlich entstand ein Weg auf dieser Trasse zwischen dem heutigen Bolzplatz und dem Haus Pionierstraße 21 bis zur Hittorfstraße.

1931 geriet die Firma wegen der schlechten Wirtschaftslage in finanzielle Bedrängnis und schloss den Betrieb in Riehl. Etwa 1935 richtete Engelbert Schmitz in den Gebäuden eine Autoreparaturwerkstatt ein, die bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bestand.

Auf dem Trümmergelände entstanden links von den „Pappelstraße“ einige Kleingewerbe (z.B. Schrotthandel) und rechts in Richtung Boltensternstraße Notunterkünfte, die dann Mitte der 1960er Jahre niedergelegt wurden.

Als in den 1960er Jahren des letzten Jahrhunderts die Universität expandieren wollte, wurde in der Nähe der anderen Institute Platz für Neubauten gebraucht. So entstand die Überlegung, das Karl–Immanuel-Küpper-Stift zu verlegen. Da ein ortsnaher Standort mit guter Verkehrsanbindung gesucht wurde, bot sich das Grundstück in Riehl an der Boltensternstr. 45 – 47 an.

Bereits 1969 wurde mit dem Bau begonnen und am 15.9.1971 fand die Einweihungsfeier als Ev. Kinder- und Jugendheim statt. Ca. 100 Kinder konnten vom alten Haus in Lindenthal in die neuen Räume einziehen. Diese Einrichtung wurde dann in den folgenden Jahren um das Luise-Maaßen-Haus, Hittorfstr. 12 und das Robert-Perthel-Haus, Pionierstr. 7-9 mit zusätzlichen sozialen Aufgabenfeldern erweitert.